Ausbildungsreport 2010
Berlin – 01. September 2010| „Das Gastgewerbe muss endlich umsteuern und in eine gute Ausbildung investieren“, hat Michaela Rosenberger, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), angesichts des heute veröffentlichten DGB-Ausbildungsreports 2010 gefordert.
Die Ergebnisse der Umfrage unter den 25 nachgefragtesten Ausbildungsberufen dokumentierten erneut den großen Handlungsbedarf hinsichtlich der Qualität und Gestaltung der Ausbildung. Der Ausbildungsreport bestätige, dass fast jeder zweite Auszubildende regelmäßig Mehrarbeit leisten müsse. Besonders erschreckend sei, dass die Hälfte dieser Überstunden weder in Freizeit noch in Geld ausgeglichen werde.
„Bereits seit Jahren belegen die gastgewerblichen Berufe die letzten Plätze bei Ausbildungsbedingungen und Ausbildungsqualität“, kritisierte Rosenberger. „Vor dem Hintergrund der strukturellen Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt riskiert die Branche ihre Zukunftsfähigkeit. Wir müssen jungen Menschen eine Perspektive geben. Bereits in der Ausbildung muss vermittelt werden, dass eine Beschäftigung im Gastgewerbe gewürdigt wird. Dazu gehören ein guter Umgang, eine qualifizierte Ausbildung und die Perspektive auf einen Arbeitsplatz, der eine ausgewogene Work-Life-Balance ermöglicht.“
Seit Jahren weise der Ausbildungsreport hierbei die Schwachpunkte deutlich auf. So bemängelten 38 Prozent der Auszubildenden den oftmals respektlosen Umgang mit ihnen. Hinzu komme die physische Belastung. 35 Prozent der Auszubildenden gaben an, dass sie große Probleme hätten, sich in ihrer Freizeit von ihrer Ausbildung zu erholen. „Diese Zahlen decken sich mit unseren Erfahrungen. Mehrarbeit, Ruhezeiten von unter zehn Stunden und ständig wechselnde Arbeitszeiten gehören leider zum Alltag Auszubildender in der Gastronomie. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Abbruchquote der Branche doppelt so hoch ist wie der Durchschnitt aller Ausbildungsberufe. So lange sich das nicht ändert und die Branche Löhne zahlt, von denen eine Familie nicht existieren kann, werden sich die Menschen gegen eine Ausbildung und Tätigkeit in der Gastronomie entscheiden“, befürchtet die NGG-Vize.
Rosenberger erneuerte die Bereitschaft der NGG, das Gastgewerbe auf dem Weg zu einer besseren Ausbildung und verbesserten Arbeitsbedingungen zu unterstützen.